Was ist künstliche Intelligenz und was nicht?

Jörg, Du agierst seit vielen Jahren als Projektleiter bei Groß- und Mittelstandskunden, wenn es darum geht, Unternehmensdaten intelligent und erfolgversprechend auszuwerten. Da wird auch das Thema Künstliche Intelligenz immer wichtiger.

Jeder spricht davon, aber was ist künstliche Intelligenz eigentlich?

Vereinfacht formuliert geht es darum, dass eine Maschine Entscheidungen trifft oder Lösungsalternativen aufzeigt und idealerweise im Laufe der Zeit durch "Lernen" dies immer besser und genauer bewältigt. Hierbei unterscheidet man zwischen statistischen Verfahren und Deep Learning Verfahren.

Beim Machine Learning kommen multivariate statistische automatisch optimierende Algorithmen zum Einsatz. Das bedeutet, es werden Wahrscheinlichkeiten für Zusammenhänge anhand von Datenmustern herangezogen, um Entscheidungen zu treffen oder Vorhersagen zu machen.

Deep Learning Verfahren, wie etwa in neuronalen Netzen, versuchen die Funktion des menschlichen Hirns nachzubilden.

Und wo lässt sich KI einsetzen?

Anwendung findet Künstliche Intelligenz (KI) in Anwendungsszenarien wie zum Beispiel der Bilderkennung. Da ist KI schon sehr ausgereift. Weitere Gebiete sind Prognosen, Erkennung von Korrelationen oder auch Optimierungsprobleme wie etwa in der Spiel- oder Entscheidungstheorie. Daraus entstehen konkrete Anwendungen wie zum Beispiel das (teil)autonome Fahren. Vieles von dem, wie beispielsweise komplexe statische Verfahren, neuronale Netze oder intelligente Agenten, waren theoretisch bereits seit Jahrzehnten erforscht. Wegen der zu jener Zeit hinsichtlich Speicher und Performance deutlich eingeschränkteren Hardware, konnte jedoch zunächst kaum kommerzieller Nutzen daraus gezogen werden bzw. war die Nutzung extrem teuer.

Gibst du den Experten Recht, die sagen, KI wird die nächste technische Revolution auslösen?

KI hat die Welt bereits massiv verändert. Spracherkennung, wie etwa Siri, Alexa oder Cortana sind in unseren privaten und beruflichen Alltag integriert. Wir melden uns mit Fingerabdrücken oder per Gesichtserkennung an unser Smartphone an, nutzen Fahrassistenzsysteme im Auto. Die Industrie arbeitet immer mehr mit immer leistungsfähigeren und "intelligenteren" Robotern/Maschinen. KI umgibt uns heute schon überall. Alles was sich im Rahmen von möglichst gut definierten Modellbedingungen bewegt, kann sehr gut mit KI abgebildet werden. Ein klassisches Beispiel ist das Schachspiel, welches ein genau definiertes Regelwerk hat. Es ist heute nicht mehr möglich im Schach gegen eine Künstliche Intelligenz zu gewinnen.

Wird KI den Menschen ersetzen?

Wir sind noch unglaublich weit davon entfernt, Kreativität, Emotionen, Diplomatie, Empathie oder auch bewusste "Querdenkhandlungen" abzubilden. Je komplexer zudem das Modell ist und unsere Realität ist immens komplex, desto unwahrscheinlicher ist es, dass eine KI adäquat funktioniert. Bis wir uns etwa mit einem Chatbot unterhalten können, wie mit einem Menschen, werden noch viele Jahre vergehen.

Wie erklärst Du dir den ganzen Hype um KI?

Das Thema KI fasziniert die Menschen schon über ein Jahrhundert. Das erkennt man beispielsweise an der Science-Fiction Literatur. Dazu gehören Klassiker wie Werke von Jules Verne aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, das Buch „2001“ von Arthur C. Clarke in den 70ziger Jahren oder auch „I Robot“ von Isaac Asimov aus den 50ziger Jahren. Das was wir heute als KI bezeichnen, hat seine Anfänge auch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Aber erst in den letzten Jahren ist die Hardware so leistungsfähig geworden, dass eine kommerzielle Anwendung möglich wird. Jetzt kann die Erforschung wirklich fortgeschrittener KI Verfahren so richtig beginnen. Das was in kommerziellen Universal-KIs wie Watson steckt, ist allerdings alter Wein in neuen oder in dem Fall besser formuliert schnellen großen Schläuchen mit viel Speicher.

Wie wird es weiter gehen?

Der nächste Schritt wird sein, die Verfahren zu verbessern und speziell im Bereich Deep Learning weiter zu kommen. Moderne neuronale Netze sind noch relativ primitiv verglichen mit Gehirnen von Organismen. Zurzeit sind sie nicht mal mehr in der Lage das Gehirn relativ primitiver Lebensformen zu simulieren. Konkrete Modelle mit konkreten Anforderungen und gut beschriebenen Umweltbedingungen hingegen lassen sich heute sehr gut abbilden. Das erkennen wir etwa an der mittlerweile wirklich ausgereiften Sprach- oder auch Bilderkennung.

Welches Potential siehst du kurz-, mittel-, langfristig für Unternehmen?

Wir bereits gesagt, lassen sich ganz konkrete Anforderungen, die gut beschrieben sind und wo die notwendigen Daten vorhanden sind, mittlerweile sehr gut abdecken. Bewegen wir uns in einer definierten (Teil)welt der realen Welt, gibt es zahlreiche sinnvolle Anwendungen. Maschinen können hier immer mehr menschliche Arbeit ersetzen. Im Gegenzug entstehen neue Aufgabengebiete. Eine spannende Entwicklung, die aber auch Gefahren birgt. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Thematik ist sehr wichtig. Künstliche Intelligenz ist durchaus ein ethisches Thema.

Viele Studien sagen, Unternehmen wissen nicht, welches Problem sie mit KI angehen sollen. Warum sind sie überfordert?

Fast nirgendwo wird im Marketing so viel versprochen, wie in dem Bereich KI. Zudem ist das Thema inhaltlich zu komplex als dass es einfach zu vermitteln wäre. Vieles was da passiert hat Blackbox-Charakter und es fehlt das Vertrauen. Zudem ist man dann oft enttäuscht, dass die Möglichkeiten heute doch noch recht eingeschränkt sind. Es gilt Bereiche zu identifizieren, in denen Dinge vorhergesagt werden oder Entscheidungen mit anschließenden Handlungen getroffen werden können. Die Szenarien müssen so gut beschreibbar sein, dass eine Maschine genauso gut oder besser handelt als ein Mensch. Das klappt gut bei Massenproblemen mit vielen Daten und relativ klaren Entscheidungsalternativen, die sich gut bewerten lassen oder auch bei komplexen Berechnungen wie etwa Hochrechnungsverfahren oder multivariate Statistik.

Wie kann die mip dabei unterstützen?

Wir können Unternehmen dabei helfen, sinnvolle Einsatzmöglichkeiten von KI zu finden und maßgeschneiderte Lösungen implementieren oder aber - wo es sinnvoll ist - vorgefertigte KI Services integrieren. Unser Anspruch ist es, in dieser Materie Wissen und Tiefgang zu haben und nicht nur vorgefertigte Software einzusetzen. Vertrauen in eine Künstlichen Intelligenz Lösung schafft man nur, indem man versteht, was man tut und das ist bei der mip der Fall.

Jörg, vielen Dank für den Ausflug in die wundersame Welt der KI.

 

Das Interview führte Gabriela von Bargen / Marketing.

Jörg Kremer erklärt was ist Künstliche Intelligenz

Jörg Kremer


Jörg führt unser Consulting Team, um die Wünsche unserer Kunden schnell und effizient umzusetzen. Speziell im Bereich der Db2 Datenbank, bei Schulungen von Kunden und Mitarbeitern sowie im Presales legt er auch gerne selbst Hand an. Als ehemaliger Universitäts-Dozent betreut Jörg unsere Werksstudenten sowie wissenschaftliche Arbeiten und forscht gemeinsam mit Teilen seines Teams im Bereich der KI. In seiner Freizeit ist er als Vereinstrainer im Bereich Leichtathletik tätig und nimmt selbst gerne an Wettkämpfen teil. Unter seiner Regie wurde auch das mip Runners Team ins Leben gerufen, das erfolgreich bei Firmenläufen teilnimmt.

JÖRG KREMER

Head of Consulting

E-Mail: joerg.kremer@mip.de

KONTAKT

Wir zeigen Ihnen Ihre Entwicklungsmöglichkeiten auf.

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen